Wahlen in Dänemark

7. September 2011 - 12:30 No Comments

Dänemark ist ja, ähnlich wie bei den Briten, eine Konstitutionelle Monarchie. Sprich: Es gibt einen König (oder wie hier eine Königin), zu sagen hat der (oder die) aber relativ wenig. Die Regierung wird demokratisch gewählt. Übrigens eine Regierung, keine Föderation wie etwa in Deutschland. Jedenfalls passiert genau das hier nächste Woche.

Da ich ja kein dänischer Staatsbürger bin, brauche/darf ich nicht mitwählen. Aber hier herrscht natürlich gerade erbittertster Wahlkampf, von dem Du selbst dann nicht verschont wirst, wenn Du die hiesigen Medien so wenig verfolgst wie ich. Mir als Ausländer scheinen da allerdings ein paar Dinge etwas merkwürdig, bin’s ja anders gewohnt. Hier mal ein Überblick:

  • Die noch stärkste Partei ist die Venstre. Das heißt “Links”, die Partei selbst steht aber relativ weit rechts.
  • Die, die in den derzeitigen Umfragen vorne liegen, wenn auch knapp, sind die Socialdemokraterne. Ich glaube das brauch ich nicht übersetzen. Die kürzen sich mit “A” ab.
  • Mit einem “B” abgekürzt werden die Radikale Venstre (also die radikalen Linken). Die sind politisch relativ zentral angesiedelt, mit zeitgemäßen Ideen und einem Fokus auf den Finanzsektor. Ein bisschen so wie die FDP gerne wäre.
  • Die Konservative Folkeparti (Konservative Volkspartei) kürzt sich mit einem “C” ab. Die sind jedenfalls grün. Also nicht politisch, sondern im Logo. Eine grüne Partei gibt es meines Wissens nach nicht.
  • Die Kandidatin der Socialistisk Folkeparti ist ziemlich niedlich.
  • Der Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei), die mit einem “O” abgekürzt wird, haben wir übrigens die Grenzkontrollen zu verdanken, von denen die verehrte Leserschaft sicher gehört hat. Die sind ziemlich weit Rechts. Und das mit offenem Visier. Ich würde die mit der DVU vergleichen. In einer aktuellen Umfrage liegen die bei 12.8%.

Spannende Sache solche Wahlen. Auch wenn ich zugeben muss nicht viel über Inhalte zu wissen. Ich bekomme hier und da mal Fragmente mit, aber wenn Du selbst nicht wählen darfst, ist die Luft irgendwie raus. Ich bin trotzdem gespannt wie’s ausgeht und hoffe auf einen Regierungswechsel. Das würde dann unter anderem A und B beinhalten. Klingt merkwürdig, aber ich glaube das wäre ein liberaler Mix, der diesem Land gut zu Gesicht stünde.
Wir werden sehen…

Geht Wählen!
Also, wenn ihr dürft… :)

Der große Lauf

26. August 2011 - 17:42 No Comments

Gestern war ein großer Lauf hier, bei dem sich Firmen anmelden konnten. Als sie gehört haben, dass gegrillt wird und es Wein gäbe, konnte ich sogar ein paar von meinen Kollegen überreden mitzumachen. Aber leider nicht bei der 5x5km Staffel, wie alle, sondern bei dem 5x5km Manschaftsgehen. Mir war die Teilnahme wichtiger als der Sport, darum hab mich dem Olympischen Gedanken verschrieben. Unser erklärtes Ziel war es zwar irgendwie dabei zu sein, aber nicht wirklich teilzunehmen. Kurz vor dem Lauf waren wir noch bei einem Supermarkt und haben allerhand Süßigkeiten gekauft. In unserem Basislager wurde der Rucksack dann aufgefüllt mit dem was aus dem gesponserten Verpflegungspaket sinnvoll erschien. Eine Tüte Chips, Wein aus der Box (superlecker anscheinend, fast so gut wie warmes abgestandenes Bier, wie mir mehrfach versichert wurde) und eine Masse an Bierdosen.

Nachdem wir in unseren hübschen Shirts in grell-hell-grün (sagt man Lemone dazu?) im vorderen Drittel des Feldes gestartet sind, haben mir mit unserer ersten Pause sogar ganze 400m gewartet. Wein einschenken, Bierdosen rauskramen, Fotos machen… nur das wichtigste eben. Zu dem Zeitpunkt hatten wir die rote Laterne schon inne.
Kurz vor Vollendung des dritten Kilometers haben meine australische Kollegin und ich sogar abgekürzt. Unseren Zeitvorteil haben wir durch eine aktive Regenerationsphase genutzt. Es gab Weingummis, während wir im Gras auf den Rest unserer Mannschaft gewartet haben.

Auf der Zielgeraden wurden wir dann noch von einem anderen Team knapp überholt. Weil wir für ein Foto posieren mussten. Schlussendlich sind wir mit der fabelzeit von einer Stunde und fast drei Minuten für fünf Kilomenter offiziell Vorletzter geworden. Und stolz drauf.
Das haben wir dann an einer Würstchenbude gefeiert. Das eigentlich versprochene Grillfest wurde nämlich abgesagt, weil statt der 150 geplanten Teilnehmer plötzlich 400 von unserer Uni da waren. War auch lecker.

Hier hab ich unsere Rute übrigens mal mitgeschnitten. Man achte auf den Maximalpuls von ganzen 116 Schlägen pro Minute. Da muss mir wohl gerade jemand was lustiges erzählt haben oder so. Geschwitzt hab ich jedenfalls nicht. In unserem Team war ich auch der einzige in Turnschuhen.

Brasilianischer als die Brasilianer

10. August 2011 - 23:40 No Comments

Vorhin ist das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Brasilien ausgegangen. Mit 3:2 und meiner Meinung nach hochverdient. Ich hab das Spiel hier bei uns mit ein paar Freunden geguckt. National war zweimal Mexiko sowie je einmal Portugal und Chile vertreten. Dann ich als einziger Deutscher und noch mit vier Brasilianern (darunter mein Mitbewohner). In so einer Kulisse machen solche Siege gleich doppelt Spaß. :D

Am schönsten ist zuzusehen, wie die Jungs von vornherein ihr eigenes Team schlechtreden, jeden Spieler, besonders den Trainer und allen voran den Verbandspräsidenten bis auf’s Blut hassen, aber trotzdem bei jedem kleinsten Anflug von einer Guten Aktion vor Freude ausrasten, als wäre der sechste Stern grade dazu gekommen. Als ich dann nach des Götzens Tor sagte, dass der einzige echte Brasilianer auf dem Feld gerade getroffen hätte, gab’s zerknirschte Mienen.
Manchmal ist’s lustig in einer Minderheit zu sein.

Stadtrundfahrt

25. Juli 2011 - 07:53 No Comments

Aalborg ist eine tolle Stadt. Ich fühle mich jetzt schon über drei Jahre hier sehr wohl. Aber… so richtig reich an Attraktionen ist’s hier einfach nicht.

Darum hat’s uns um so mehr erstaunt, als wir kürzlich von Stadtrundfahrten erfahren haben. Ein Doppeldeckerbus schaukelt für läppische 60 Kronen (ca. 8€) 90 Minuten lang durch “Groß Aalborg”. Nach ein bisschen Überzeugungsarbeit konnte ich sogar ein paar Leute zum mitkommen bewegen.

Im Prinzip war alles, wie erwartet. Wir haben Sachen gesehen, die wir längst kannten, und waren dabei dem dänischen Sommer ausgesetzt. Aber wir hatten auch eine Menge Spaß. Genau das richtige für einen Sonntag Mittag.

Hinterher sind wir noch ins Stadion. Hier war Derby, gegen den Wiederaufsteiger und Haßgegner aus Århus. Das erste Saisonheimspiel (2. Spieltag) haben WIR nach 2 Schweigeminuten (eine für einen tragisch verunglückten Spieler aus Costa Rica und eine aus Anteilnahme an den Begebenheiten in Norwegen) souverän mit 2:1 gewonnen.

So sollen Sonntage sein. :)

Hell. Immer. Toll!

28. Juni 2011 - 09:47 No Comments

Sommer in Aalborg. Grande. Auch wenn das Wetter dieses Jahr noch nicht so super war, finde ich’s schon ziemlich großartig, dass es quasi immer hell ist. Selbst um 1, wenn’s ja eigentlich am dunkelsten ist, kannst Du am Horizont deutlich erkennen, wo’s bald den Sonnenaufgang zu bestaunen gibt. Das ist schon toll. Auch wenn Du eigentlich nie genau weißt, wie spät es gerade ist. 4 Uhr Morgens, 3 Uhr Mittags oder 22 Uhr Abends. Das begeistert mich jedes Jahr wieder.


Und dann fing Sonntag plötzlich der Sommer an. Gestern waren’s schon 28 Grad. Sowas hatten wir bisher noch nicht hier. Toll. Da stand sogar auf einmal das Traumschiff im Hafen. Sachen gibt’s…

Auch wenn’s das konzentrierte Arbeiten nicht wirklich erleichtert: Der dänische Sommer rockt!

Procrastination

19. Juni 2011 - 23:30 No Comments

Jeder Deutsche weiß, dass sie in Amerika auf ein “Fest” gehen und nicht auf eine Party. Auch, dass man in den Staaten “Gesundheit!” sagt, wenn jemand niest. Ausserdem ist allgemein bekannt, dass es im Englischen keine eigenen Begriffe für Zeitgeist, Doppelgänger oder Kindergarten existieren und darum die deutschen benutzt werden. Ein befreundeter Neuseeländer hat mir mal folgendes erzählt: Sprachforscher gehen davon aus, dass in einer Kultur immer dann ein Wort für irgendwas aufkommt, wenn dieses etwas einen Stellenwert von gewisser Höhe erreicht. Sprich, irgendwas ist wichtig, also geben wir dem Kind einen Namen. Er hat dann freundlich auf Schadenfreude verwiesen.

Wer als Deutscher ein Leben auf englisch führt, wie ich, kennt einige dieser Beispiele. Allerdings gibt’s das ganze natürlich auch andersrum. Ich meine jetzt gar nicht mal was spezielles wie Garage, Show, Macho oder Film. Und das lächerliche deutsche Wort für Mobiltelefon ignoriere ich sowieso. Nein, was ich meine sind Begriffe, die es auf deutsch einfach nicht gibt. Begriffe, die man auch nicht so leicht übersetzen kann. Und zwar hab ich da einen ganz bestimmten im Kopf: Procrastination.

Das schöne ist, dass jeder weiß, was Procrastination ist. Wir alle haben schon “procrastiniert”. Spätestens jeder, der sich noch an seine aktive Zeit in Schule oder Uni erinnern kann.

Was also ist Procrastination?
Nun, das Wort kommt aus dem Lateinischen, von pro (nach) und crastinus (Morgen). Auf Deutsch würde ich es vielleicht als Aufschieben bezeichnen, wobei es das nur mäßig trifft…

Procrastination ist, wenn ich für eine Prüfung büffeln muss, aber statt dessen die Fenster putze, und das obwohl ich eigentlich Fensterputzen hasse. Das kennen wir alle. Vielleicht mit anderen Beispielen, aber im Prinzip geht’s uns allen ab und an mal so.
Im deutschen gibt es ein Sprichwort, dass den Sinn ganz schön erklärt: Morgen, Morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute. Beziehen wir das auf diese Kulturen Theorie, von der ich geschrieben habe, heißt das also, dass Procrastinatoren im deutschen Sprachraum als Faul angesehen werden. Oder besser: Wurden.

Procrastination ist auch im Blog zu schreiben, statt an der Doktorarbeit. Darum mach ich jetzt Schluss. Wer mehr wissen will soll sich dieses und dieses Video ansehen (leider nur auf englisch) oder einen merkwürdig erzwungen geschriebenen Wikipedia Artikel (deutsch).

Hippies im Regen

30. Mai 2011 - 17:12 No Comments

Ende Mai ist Karneval in Aalborg. Das ist ja inzwischen keine Neuigkeit mehr. Und auch wenn’s diesmal heiß diskutiert wurde, ob der diesjährige überhaupt stattfinden soll, kam es soweit. Die Ruten für die Paraden wurden geändert. Nicht mehr so hübsch durch die City, sondern ein bisschen außen rum. Noch schlimmer war aber der Wetterbericht. Seit Tagen war das Karnevalwetter Hauptgesprächsthema in der der Stadt. Es sollte nämlich regnen und stürmen, bei 11 Grad.
Es war letztendlich deutlich besser als erwartet. Zwar war es ungemütlich kalt, aber es hat nur zwei Schauer gegeben. Richtig zu regnen begann es erst, als eigentlich schon eh alles vorbei war.

Besuch aus Deutschland hatte ich dieses Jahr auch wieder. Und wie letztes Jahr waren wir Freitag wieder zu lange aus. Ich musste denen doch „Das Bierbar“ und „Heidi’s Bierbar“ (neu, aber eigentlich das gleiche) zeigen. Die Herren konnten jedenfalls nicht so früh aufstehen wie alle anderen in Aalborg und mussten weiter schlafen. Ich bin dann erstmal alleine los, die anderen kamen dann gut vier Stunden später hinterher. Und wie durch ein Wunder haben wir uns sogar recht bald getroffen. Ausgeschlafen hatten die anderen in diesem Jahr anscheinend sogar ein bisschen Spaß an den Feierlichkeiten.

Lustig war’s, sogar sehr. Obwohl’s bei schönem Wetter schon mehr Spaß macht. Aber irgendwas ist ja immer…
Ich war übrigens sowas wie ein Hippie. Uns ist nicht wirklich was vernünftiges eingefallen. Hier die Fotos.

Übrigens: Aalborg hat gestern sein letztes Saisonspiel in Kopenhagen zwar verloren, den Abstieg aber verhindern können! Freude.