Heute würde ich gerne in bisschen was über die Freundschaft der Dänischen Fußballanhänger (Verband: DBU) zur deutschen Nationalmannschaft schreiben. Ich möchte nicht zu sehr verallgemeinern, aber ein Blick in die Medien gibt mir das Gefühl, dass Deutschland nicht allzu beliebt ist hier. Wohlgemerkt beschränke ich mich damit auf den Fußball.
Vom EM Finale ’92 hab ich ja schon berichtet. Dererlei Sticheleien gibt es recht viele und wenn ich hier Spiele der WM gucke bin ich als Deutschland-Fan meist ziemlich allein.
Das motiviert mich natürlich um so mehr.
In einem WM Magazin (“Alles rund um alle Teams!”, siehe Bild) habe ich folgenden Ausschnitt gefunden:
Rekord: Deutschland ist das Land, das am häufigsten Vizeweltmeister geworden ist (4 mal) – und damit auch das Land, dass die meisten WM Finale verloren hat. Ha!
Wann immer ich mich mit Dänen über Nationalmannschaftsdinge unterhalte, dauert es meist nicht lang und das EM Finale von 1992 wird feierlich serviert. Ich muss gestehen, dass ich erst einmal nachlesen musste, was denn da war. Das ist so ähnlich wie die Österreicher immer mit ihrem Cordoba, für die ein Feiertag den noch Generationen nach ihnen zelebrieren, und kaum ein Deutscher kann sich wirklich noch daran erinnern.
Jedenfalls hat Deutschland damals im Finale 0:2 gegen die Dänen („We are Red, we are White, we are Danish Dynamite!“) verloren, die überhaupt nur ins Turnier gerutscht ist, weil Jugoslawien sich entschlossen hat einen Krieg zu veranstalten. Dänemark galt damals als Spaßtruppe, die aus dem Urlaub zurückgeholt wurde und hat das Turnier in Schweden tüchtig aufgemischt.
Das Finalspiel wurde am Tag vor der WM im Dänischen Fernsehen wiederholt und hinter vorgehaltener Hand wurde mir schon von 3 Dänen gestanden, dass der Sieg mehr als Glücklich war.
Der größte Skandinavische Mobilfunkanbieter hat gerade eine Kampagne, dass man ja immer so viel Vergisst. Ich glaube die werben für mobiles Internet oder so. Keine Ahnung. Ist aber auch egal. In dem Werbespot jedenfalls wird hübsch beschrieben, wie man die Haustürschlüssel auf dem Tisch vergisst, oder beim Angeln gerne mal vergisst, wie groß der Fisch nochmal wirklich war. Nicht vergessen, und so geht es fast wörtlich, kann man natürlich den Ausgang vom Finale ’92. Gezeigt wird währenddessen ein kleiner Cartoon in dem ein offensichtlich deutscher Fußballer von einem dänischen Klatschhut zwei Ohrfeigen bekommt. Ich hab das mal abfotografiert…
Eeeeendlich! Die WM ist da. Ich bin schon seit Tagen völlig aufgeregt. Ich überlege, wie ich mein Arbeitspensum um die Spiele rumorganisieren und die fünf Tippspiele, an denen ich teilnehme, am besten im Auge behalten kann. Nur damit ich hinterher auch sagen kann: “Ich hab’s ja immer gesagt!”, hier noch schnell meine offiziele Weltmeisterschaftsprognose:
Deutschland wird Weltmeister
Holland haut Brasilien raus
Das Halbfinale ist komplett Europäisch
Für Argentinien und Italien ist im Achtelfinale schluß
Mexiko, Dänemark und Chile sorgen für Überraschungen
So, jetzt werde ich mir das Trikot überstülpen, dass mir mein Freund Ubaldo aus seiner mexikanischen Heimat mitgebracht hat, mich zu meinem mexikanischen Freundeskreis gesellen und sehen wie der Gastgeber sein erstes Spiel leider verliert.
Übrigens hab ich mir schon was ausgedacht, wie ich den ganzen Rummel hier dokumentiere und hoffe in einem Monat an dieser Stelle schön was präsentieren zu können.
Euch allen ein spannendes Turnier, viel Erfolg in den einzelnen Tipprunden und auf das die Spiele friedlich verlaufen. Der Mannschaft: Viel Erfolg. Skål!
Hier noch ein kleines Video, wie ich mich mit ein paar Freunden letzte Woche warmgespielt habe…
Ich vergesse gelegentlich, dass die anstehende Weltmeisterschaft ja nicht nur das drumherum für eine Deutsche Siegerehrung ist, sondern dass da auch noch andere Mannschaften teil nehmen. Wie etwa die Dänische. Und weil der Aalborger BK gerade 125 Jahre wird, kommt die Nationalmannschaft vorbei und feiert mit einem Testspiel gegen den Senegal. Das ist ein bisschen was besonderes, weil die Dänen eigentlich immer im Parken spielen, dem Stadion in Kopenhagen.
Das Spiel war letzte Woche und ging 2:0 für die Nordmänner aus, obwohl die Afrikaner wesentlich aktiver, schneller und präziser waren. Naja, Taktik schlägt Spielwitz, ist ja nicht das erste Mal dieses Jahr…
Das Erlebnis im Stadion war allerdings recht angenehm. Auch, wenn das wenig mitreißende Spiel mit Laolas zu bekämpfen versucht wurde, hatte ich meinen Spaß. Da, wo wir standen und bei Ligaspielen die Hardcore-Fans stehen, war diesmal der Altersschnitt mindestens Doppelt so hoch. Und das obwohl viele mit Kindern da waren. Egal, wir haben alberne Hüte gekauft und uns prächtig amüsiert.
Ich drücke den Dänen bei der WM auch die Däumchen!
Some time ago I was born (and raised afterwards) in a town called Herten, in the northern part of what we call Ruhrpott, the Ruhr-District. In 2010 this, being the 3rd biggest agglomeration area of the EU, is the European capital of culture. I’m aware of the fact, that, besides the related people, hardly anyone cares about these places. But as a self-appointed ambassador, I consider it my duty to tell you about the place that I call home…
The Ruhr-District is, in many different cities and districts, home of almost 5.5 Million people in the “deep West” of Germany. The reason for so many people is simple: Coal. In the end of the 18th century, there was nothing but some farmers. But with the industrialization came the need for coal. An area close to the river Ruhr was rich of that and iron. So soon hundreds of coal-mines were built as well as big steel works.
Coal and steel was very important during wars and many weapons were produced in the Ruhr-District. This and the fact that a lot of energy came from here, was reason enough to destroy most of the area during the Second World War.
Right after the war, coal became the engine for a rising society. So people began to rebuild the cities and mine coal, the faster the better. This had two major influences. First, Germany managed to become healthy and wealthy very fast again (Wirtschaftswunder). Second, the as-many-buildings-as-possible-and-as-fast-as-possible-approach resulted in townscapes, which share a certain style that is not exactly considered as being fancy nowadays…
In the 1950s the structural change began, coal was cheaper in Russia or China and most mines closed down in the following 40 years. So by now you can still see the mines and their consequences, but the whole region needed a different perspective. Even though unemployment is quite high in that area, communities became creative to find new ways. One of them is tourism and culture, what was once grey from dust is now green and/or modern – a lot has been done.
But let me talk about the people, because they are special. The Ruhr-District is traditionally a huge working-class area. That influenced both, spirit and language. Germans say the language is dirty as coal-dust. We make heavy use of what is considered of being swear-words in many other parts of Germany. And even the accent is rather messy, edgy and practical, e.g., some grammar rules simply do not apply here.
The spirit is something I notice much stronger, now that I live abroad. People in the Ruhr-District are very straight forward. You will get their opinion, whether you want it or not. Additionally, they are outright and do not like frills or knick-knacks. The people are, in the best meaning, honest and simple.
… and football-fans. Three (out of 18) teams in the German Bundesliga are from this area: VfL Bochum, Borussia Dormund and Schalke 04. The latter ones being the biggest rivals and having the derby of the highest interest in whole Germany. Their big stadiums are usually sold out and you see people with fan-wear everywhere on every possible occasion. The same counts for smaller teams, on lower levels. Everybody talks about it all the time and quite some people consider football as a matter of the heart.
So this area that defines itself by coal, steel and football is now the European capital of culture. Many different events throughout the whole year are scheduled. It’s the first time that this title is held by an area, not just one city. So during the year there will be a spotlight showing the local heroes, 52 cities in 52 weeks, Herten will be number 22.
If you’ll ever make it to the Ruhr-District, I would suggest you, to climb up one of the many tailings and get a look over the landscape. Or go to one of the former coal-mines (you can get pretty close to some) and try to grasp the pulse of steel. But in any case, you have to stop at one of the diners and get a ‘Pommes-Currywurst‘, the regional meal.
Seit ich aus Italien zurück bin war der umbenannte Aalborg BK Fanshop (AaB Shoppen) verhüllt mit riesigen Postern auf denen halbnackte Fußballer und die Worte ”Så mangler vi bare den nye trøje” (Jetzt brauchen wir nur noch neue Trikots) waren. Heute wurde dann das neue Trikot vorgestellt. Und der Laden ist aus allen Nähten geplatzt.
AaB ist von Hummel zu Adidas gewechselt, angeblich war das sehr kurzfristig und jetzt gibt es ein sehr schlichtes, weißes Trikot. Als Limited Edition. Im Januar gibt’s nämlich ein neues. Eins, dass wieder rot-weiß-gestreift sein soll. Also so wie immer. So, wie’s gehört.
Wieso wurde es gerade heute vorgestellt? Nun, heute war das erste Spiel. Qualifikation für die Europa League, gegen FK Slavija Sarajevo. Weil Dänemark im Juli ja nun mal leer ist, gab’s die Tickets sogar für 50 Kronen (knapp 7 €). Natürlich sind wir hin…
Das weisse Trikot kommt bei den hisigen Fans (auch wenn sie’s alle kaufen) nicht gut an. Sprechchöre wie “Wir wollen die Streifen zurück!” oder “Wer sind die Weißen?” und ein Transparent (Wo sind die Streifen?) machten das deutlich. Verständlich. Wenn Juventus auf einmal keine schwarzen Streifen mehr hätte würde sich auch jeder wundern/beschweren.
Das Spiel endete übrigens mit einem peinlichen 0:0, hoffentlich gewinnen unsere nächste Woche in Bosnien und Herzegowina, sonst wird das hier auch nix mit International…